Weitermachen Sanssouci von Max Linz, 80 min, Forum

Wer hätte gedacht, dass Verwaltungspolitik im Hochschulbereich dermaßen gutes Screwball Material sein könnte?

Dass man über die bleiern verfestigten Mechanismen des – unablässig Selbstoptimierung predigenden –  Neoliberalismus überhaupt noch Witze machen kann, und zwar, genauergesagt, über den – ebenso blöden wie wichtigtuerischen – “Exzellenz-Cluster”-Bereich an deutschen Hochschulen,  das hat schon etwas sehr beschwingtes.

Mit seinem Null-Inhalt “Nudging”-Projekt will Stiftungsprofesser Alfons Abstract-Wege (gnihihi) Eigenwerbung für die sich selbst verkaufende Universität machen, und weil seine Sprache und Machenschaften dabei so akrobatisch dadafiziert, gleichzeitig aber einfach nur dokumentarisch akkurat und ganz nüchtern erfasst sind, kann dieser Film mit seiner Aufforderung zum “Weitermachen” (Marcuses Grabspruch auf dem Dorotheenstädtischen Friedhof) sein Publikum ganz kolossal zum Kichern bringen.

“Schmerzbefreite Kalauer” kombiniert mit “fantastischen visuellen Gags” genießt auch Andreas Busche im tagesspiegel, und in seinem Interview mit ML stellt dieser noch einen schönen Bezug  zu einem weiteren sprachlichen Genre her, das durch neoliberale Selbstvermarktungszwänge sich und seinen Gegenstand verbiegt:

„Bestimmte Redeweisen an der Akademie sind ein dankbarer Gaglieferant“, meint Linz. „So nimmt man dort Bezug auf die Welt. Ich halte das aber für einen Betriebsunfall: Die Sprache deformiert sich, weil man sich ständig verkaufen muss. Ich merke das auch an der Antragsprosa bei der Filmförderung.“

Dass universitäre Forschung eigentlich auch mal praktische Utopie-Verwirklichung sein konnte, daran erinnert ML – auch hier wie ein guter Dokumentarist – mit seinen Referenzen an ein Computer-Science Forschungsprojekt der Universität von Santiago de Chile: Das Cybersyn-System, mit dem der – später Hippie-Guru-bärtige – britische Unternehmensberater Stafford Beer im Auftrag von Salvador Allende eine kybernetisch flexible Planwirtschaft vorantrieb, und damit ein Internet vor dem Internet erfand – mit sozialistisch-libertären Wurzeln.

Da muss erstmal einer drauf kommen, und es wieder ausgraben, Chapeau!

Fein sortierte archivarischen Bezüge wie diese sind eben genau was man braucht, um “alternativlose” aktuelle Wirklichkeiten umzudeuten und deren übergangenes utopisches Potential wieder zum Vorschein zu bringen. –> “Trust the Archive” (Stephanie Schulte-Strathaus)

So werden die Bilder zu “Agenten” , und die Musiken zu “Kraftfeldern”. (Max Linz im Podiumsgespräch mit Dorothee Wenner im Delphi)

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