Searching Eva von Pia Hellenthal, 85 min, Panorama Dokumente

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Foto: Screenshot aus Seaching Eva, von https://searchingeva.com/

Eigentlich sehr schön, der Ansatz von Protagonistin Eva Collé – sie sagt, sie möchte ein Beispiel geben dafür, daß jedeR jederzeit jede Identität annehmen könne, die ihr gefällt.

Wenn nur die gierigen Fernsehdramaturgen und VICE Auftraggeber nicht verlangt* hätten, doch bitteschön auch die “Backstory” aufzudecken – also woher kommt Eva eigentlich, wer sind ihre Mutter und ihr Vater? So interessant und tragisch es auch historisch sein mag, zu untersuchen, wie die berühmte antiautoritäre italienische Linke auf Heroin hängenblieb –  da wird das Portrait voyeuristisch klein-familiär, und das sabotiert Evas Ansichten zu fluiden Identitäten fundamental.

*Haben sie vielleicht gar nicht VERLANGT. Mussten sie wahrscheinlich gar nicht. Vielleicht liegt es einfach nur ganz brutal aufdringlich “in der Luft”, dass so etwas gefordert wird: “irgendwann haben wir gemerkt, dass wir nicht drumherum kommen, und dann war es toll” – hieß es dazu  lapidar im Teamgespräch nach dem Film.

Trotzdem immer noch: Tolles Regiekonzept!  – wegen der Umsetzung der Selfiemacherei: Man springt nicht etwa in Evas Handykamera hinein, sondern sieht ihr “von außen” bei ihren Selbstinszenierungen zu. Tolle Kameraarbeit!  – Es gibt fantastische, wie gemalte Portraits einer schweigend und ruhig in die Kamera blickenden Eva, mit unscharf in Zeitraffer um sie herum zappelnder “Realität”; kluge Montage! (–> Yana Höhnerbach) – wegen der Entscheidung von Regie und Schnitt, das Konzept einer “Story” irgendwann über den Haufen zu werfen.

So bleibt jedenfalls in der Montage etwas von Eva Collés abrupter Wandelbarkeit, und damit ihrer Freiheit, gewahrt.

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