Bei dieser Optik vermutet man es vielleicht nicht auf Anhieb, und eventuell hat man auch noch nie davon gehört, – aber dieser Flyer wirbt für eine Veranstaltung, die Teil des bundesweit größten Forschungsprojektes zur Filmgeschichte ist. Zur Dokfilmgeschichte, wohlgemerkt.

Das Projekt von Deutscher Forschungsgemeinschaft DFG, Filmuni Babelsberg und Stuttgarter Haus des Dokumentarfilms möchte mit 2,5 Millionen Euro Etat und entspannten 8 Jahren Zeit einen Gesamtüberblick über deutsche Dokumentarfilmgeschichte von 1945 bis 2005 geben. Dabei interessiert es sich offenbar besonders für “dokumentarische Filme, die eine ästhetische Gestaltung und einen gesellschaftspolitischen Anspruch erkennen lassen, der sie von der Masse standardisierter und der Tagesaktualität verpflichteter Produktionen unterscheidet”.

In der vom abgebildeten roten Flyer beworbenen Tagung am 20.4. in Berlin will man sich daher nun einen ganzen Tag lang den “Videobewegungen” der 80er Jahre widmen, und ihren Einfluß auf  die nachfolgende dokumentarische Filmproduktion untersuchen.

Der ganze Idealismus, der einmal mit VIDEO verbunden war, leuchtet hier noch einmal auf:

(…) Zahlreiche Mediengruppen nutzten in den 1970/80er Jahren die kostengünstige Videotechnik, um für Gegenöfentlichkeit zu sorgen und um gesellschaftliche Veränderungsprozesse in Gang zu setzen. (…)

Zum 1-tägigen, kostenlosen Workshop in der Glaskiste von Ex-Rotapint sind am 20.4. ehemalige Mitglieder der Medienoperative Berlin (MOB) geladen,  danach (als Repräsentanten einer “kreativen Grenzüberschreitung zur Kunst” mittels Video)  die GründerInnen der Firma  Confu Baja Video, dazu ich als Repräsentantin experimenteller Videopraktiken an der dffb, sowie als Gegenpol Vertreter einer “alternativen Medienarbeit” in Ostberlin, wie z.B. Claus Löser (“Ex Oriente Lux” ) und Lutz Dammbeck.

Es werden Videoausschnitte gezeigt.

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* Zu hoffen ist, daß dieser Workshop die Idee der “alternativen Medienarbeit” nicht nostalgisiert oder musealisiert, sondern darstellt, wieso und in welcher Form wir auch heute dringend so etwas brauchen.

Also GEGENÖFFENTLICHKEIT. Und eigene NETZWERKE.

Das untersucht übrigens fast zeitgleich auch die dfi in Köln auf ihrer Tagung am 19.4.:

(…) Die aktuellen Motive liegen schnell auf der Hand: immer mehr Anbieter im Filmmarkt wie im Kulturbereich treffen auf erodierende bzw. sich neu formierende Verwertungs- und Finanzierungsstrukturen. Da ist Selbsthilfe und Sich-Neu-Erfinden angebracht.